Donnerstag, 5. März 2015

Zu heiß

Wenn die Großen reden hören die Kleinen zu. Das ist ein Gesetz und gehört auch nicht geändert. So war es denn auch und ich, das Kind, hörte. Zu heiß haben sie gesagt. Zu heiß draußen weil der Sommer dort war und die Sonne war wohl beteiligt. Zu Heiß, das kannte ich schon von nicht lange her. Das war nicht schön, das war schlecht. Das waren rote Haut und Schmerzen die nicht sein durften. Das war in der Badewanne, die ich mal geliebt hatte und jetzt nicht mehr zu meinen Lieblingsorten denken konnte. Das war zu heiß, das hatten sie mir erklärt und ich habe genickt weil ich es verstanden hatte.
Und jetzt war zu heiß auch draußen. Draußen kannte ich, draußen war der Sommer und draußen war überall wo nicht drinnen ist. Draußen war einfach da wo ich nicht sein wollte. Ich wusste es ja nicht besser. Ich wusste nur von zu heiß und meiner Haut die weh tut.
Ich wusste nicht von den Sommern die ich draußen erlebt und überlebt hatte. Ich hatte genug mit dem Hier und Jetzt zu tun, einen Träumer nannten sie mich, andere Sommer waren da zu weit weg. Sicher, ich war auch nicht mehr quietschend vor Überraschung wenn der erste Schnee mal wieder vom Himmel kam. Den kannte man nicht persönlich, aber er war eben auch kein Fremder mehr, der die Welt ganz neu macht. Hier ging es ja auch nicht um die Jahreszeiten, hier ging es um zu heiß.
Sicher fühlte ich mich in meinem Bett. Weiter weg von draußen kannte ich nichts. Die Spielzeugkiste unter Umständen. Zum Einen war die schon gut mit ihrem eigentlichen Inhalt gefüllt und hatte damit nicht den erwarteten Platz um mir das Mindestmaß an Komfort für eine dauerhafte Unterbringung zu bieten. Zum Anderen gab es klare Regeln wann wer an seinem Platz zu sein sollte und dazu gehörte, dass das Spielzeug in der Kiste und ich eben in meinem Bett zu sein hatte. Schon ein Spielzeug im Bett, wurde trotz meine Anwesenheit nicht toleriert. Damit viel ein kompletter Tausch der Nachtlager aus dem Rahmen des Möglichen.
Natürlich kommt man im Angesicht einer solchen Lage nicht daran vorbei sich Gedanken zu machen und ernsthaft abzuwägen wo der eingeschlagene Weg hinführen konnte. Präzise werden die neuen und klaren Erkenntnisse mit den gewohnten aber kontrastlosen Erfahrungen abgewogen. Draußen und ich hatten nie das beste Verhältnis. Schrammen, blaue Flecke und offene Knie waren schon immer eine Begleiterscheinung die ich weniger mit drinnen in Verbindung bringen konnte. Rennen, Spielplatz und Pfützen, gab es hier aber genauso wenig zu beobachten und erleben. Zudem hatte ich im Blick auf meinen aktuellen Zustand auch die eher unschöne Erfahrung mit zu heiß unbeschadet überstanden.
Ein Genie war es nicht, was in mir heranreifen sollte. Das war allen Beteiligten schon früh klar und so dauerte es eine Weile, bis ich Vor- und Nachteile zur Genüge abgewogen habe und mich aufgrund meiner guten Chancen, alles ohne bleibende Schäden zu überstehen, für einen Versuch mit draußen und zu heiß entschied.
Die Geschichte jetzt noch weiter ins Detail zu treiben würde so viel Sinn nicht machen. Es sei mir
nur ein letzter Satz gestattet. Als Kind ging in nach draußen und als Kind kam ich zurück, nur was die Erwachsenen so von sich geben sollte gelegentlich von erfahrener Stelle geprüft werden.