Es ist früh. Super.
Dieser Früh der jeden Tag um die gleiche Zeit auf der Matte steht
und an meiner Bettdecke zuppelt. „Aufstehen Prinzessin“ sagt er
dann. Früh ist nicht der Hellste, in den letzten Tagen. Ich mach
erst mal nicht mit gebe mich dann aber geschlagen und sage dem Tag
hallo und geh ins Bad. Im Bad wartet dann ein Einhorn und spendiert
mir eine Maniküre während Donald Trump tschechische Volksweisen
singt. Das macht er sehr gut und wird zur Belohnung von fünf
Jungfrauen mit Bananen verkloppt. Es kann auch sein, dass ich mir nur
die Zähne putze. Wer weiß das schon.
Aus dem Bad wieder raus
sagt mein Terminkalender irgendwas von halb neun und ich sehe da noch
eine große Lücke, die es zu füllen gilt. Das mach ich auch mit
einem Unschuldigen Spaziergang zum Netto wo ich mir ganz zufällig
ein paar von den Angebosdonuts kaufe. Diesmal auch Vanille, die mit
Pudding drinnen. Das war auf mittellange Sicht natürlich eine kluge
Entscheidung. Ich hab den Tag immer was zu naschen im Schrank. Auf
kurze Sicht war es eher blöd weil ich heute zum Doktor muss und da
soll ich vorher nichts essen. Und auf langlange Sicht ist es auch
eher doof, weil die Teile einfach nur aus Zucker und eventuell
Pudding bestehen ich daran sterbe. Egal, ich schleppe die Dinger nach
hause wie ein Mann und gehe dann zum Arzt.
Zum Onkel Doktor muss ich
hin weil die Krankenkasse alle zwei Jahre ein Untersuchung bezahlt,
die sagt wie lange ich noch zu leben hätte. Das nennt sich dann
Gesundheitscheck und macht man mit Pipi, Blut und EKG. Ich sag es
gleich, bei keinem hab ich geweint. Zuerst das Pipi. Das hab ich in
einem Becher abgegeben und da wird ein Stäbchen reingetunkt, dass
dann einer kleinen Maschine zu essen gegeben wird. Die sagt dann wie
es schmeckt und ob ich krank bin. Die Maschine findet es wohl lecker
und hat nichts zu meckern.
Das Blut sieht da schon
anders aus. Mit einer Nadel im Arm die gefühlt so groß ist wie zwei
Nadeln, werden mir ungefähr fünfzehn Deziliter von meinem roten
Lebenssaft abgezogen und in einen Beutel gepackt. Die Maschine die
das jetzt trinkt, wohnt wohl nicht hier und schreibt dann einen Brief
wie es geschmeckt hat. Ich weiß aber schon was kommt. Diagnose zu
wenig Blut im Körper.
Beim EKG muss ich oben
ohne auf einer Liege liegen und bekomme ein Ding auf die Brust mit
Kabeln und so naja man kennt das ja.
Dann darf ich nach hause
und geh erst mal Trickfilme gucken. Irgendwas mit einem Rennauto und
dann heißt da eine Dreckspatz und ein Schwein kommt auch noch dran.
Dazwischen hopst immer ein blaues Kaninchen rum und Kinder und zwei
Erwachsene. Ich trau dem Vieh nicht. Elmo muss da auch mit tanzen und
ich glaube das macht er gegen seinen Willen. Der wohnt ja eigentlich
in der Sesamstraße und von da geht man nicht einfach weg.
Irgendwann fällt mir ein,
dass Freitag ist und ich eigentlich nichts davon habe. Freitag ist
für mich im Moment als würde man einem Känguru ein Bündel
Geldschein geben. Klar packt es das in seinen Beutel, aber es hätte
auch ein Bündel Papierschnipsel sein können, das macht für das
Känguru keinen Unterschied, es wird sich ja doch nichts davon
kaufen. Ich werde heute auch nicht anders leben als gestern oder
vorgestern oder den Tag vor vorgestern. Ich werde ins Bett gehen und
nicht wirklich daran denken müssen, dass ich morgen ausschlafen
kann.
Ich denke kurz darüber
nach und bin der Meinung es müsste doch eine alternative zum
Wochenende geben, für die die gar keine richtige Woche haben.
Rentner, Arbeitslose und andere Rentner brauchen einfach einen Grund
um sich auf die zwei Tage zwischen Montag und Freitag zu freuen. Mein
Vorschlag wäre Samstag einfach mal einen Clown vorbei schicken, der
die Leute unterhält und Kuchen mitbringt. Am Nachmittag kommt dann
noch der Eismann und schon ist der Samstag gerettet. Den Sonntag
könnte man ähnlich gestalten. Vormittags kommen Tiere vorbei.
Therapiehunde oder Therapiekrokodile oder ein Pony. Das kann ja so
schlecht nicht sein und gegen Abend kommt einer der was vorliest.
Klar das klingt jetzt ein wenig utopisch, aber wenn ich einem Bauern
im 17. Jahrhundert von der 40 Stunden Woche erzählt hätte, wären
die Blicke wahrscheinlich ähnlich gewesen. Alternativ könnte ich
auch eine neue Bewegung ins Leben rufen. LEGIDA. Das heißt dann
Laufende Erwachsene Gegen Ines, Dennis und Anja. Das macht zwar auch
keinen Sinn, aber man kommt mal raus. Bevor ich jedoch meine
weltverändernden Pläne in die Tat umsetze genieße ich erst mal
mein langes Wochenende und bleib Montag einfach mal im Bett bis
Dienstag oder Mittwoch oder so.
Die Muh hab ich in Wolfen getroffen.