Als die Maschine fertig war, fing sie
an zu piepen und ein fast junger Mann nahm seine fertige Wäsche aus
der Maschine. Er stopfte sie einfach in eine große Tasche wie sie
auch bei der Armee benutzt wurde. Pullover, Boxershorts, Hemden und
sehr viele Socken. Dann gab die Maschine mit der Nummer drei ihr
Signal und auch diese Wäsche kam noch mit in die Tasche. Als der
junge Mann fertig war, schnappte er sich sein Buch, in dem er gar
nicht gelesen hatte.
„Kommst du? Auf Dauer wird es hier
doch zu langweilig.“
Peter schaute den jungen Mann an und
stand auf.
Draußen war
sehr schönes, fast ein wenig zu warmes Sommerwetter. Die Luft
leuchtete ein wenig und die Hitze sorgte für ein angenehme Ruhe die
sich auf die Häuser legte.
Peter und der
junge Mann gingen die Straße hinunter. Ein paar Kinder hatten sich
gerade ein Eis geholt und ein Mann fuhr mit seinem Fahrrad vorbei.
Wenn man wollte, konnte man noch mehr Menschen sehen, die den schönen
Tag mit einem Spaziergang verbrachten. Man konnte sie aber auch ganz
gemütlich auf Abstand halten und den Tag alleine genießen.
Der junge Mann
kam mit einem kleinen Korb mit Wäscheklammern und zwei kühlen
Getränken aus seiner Wohnung. Peter hatte es sich auf einer Bank vor
einem alten Holztisch im Hof gemütlich gemacht. Bis auf den Platz wo
er saß, war alles vom Licht durchflutet. In einer Ecke standen
Fahrräder in der an anderen lagen unterschiedlichste Bälle herum.
Es gab einen Fußball, der schon sehr mitgenommen aussah. Es gab
mehrere bunte Bälle für kleinere Kinder und einen Ball der aussah
wie eine angeschnittene Melone. Peter stellte sich vor, wie die
Kinder darüber redeten ob sie heute mit dem Fußball oder doch
lieber mit der Melone spielen sollten und musste lächeln.
Der junge Mann
fing an seine Wäsche auf die Wäscheleine zu hängen, die quer über
den Hof gespannt war. Zuerst kamen die T-Shirt dran. Der junge Mann
achtete darauf zuerst alle orangenen Wäscheklammern zu benutzen.
Zwei für jedes Kleidungsstück.
„Kann ich was
trinken.“
Fragte eine
kleine Stimme neben Peter. Der Junge war ungefähr sechs oder sieben
Jahre alt. Vor ihm auf dem Tisch lagen Wachsmalstifte und Papier. Er
war gerade dabei gewesen ein Bild zu malen, dass ein Fußballfeld
zeigte.
„Ja nimm
ruhig.“
Sagte Peter und
schaute zu, wie der kleine Junge mit beiden Händen nach der Flasche
griff und mühsam daraus trank.
„Danke.“
Sagte er und
konzentrierte sich wieder auf ein neues leeres Blatt Papier.
„Ich kann
schon verstehen, warum du keine Lust mehr hast.“
Der Junge war
nun um die zehn Jahre alt.
„Ich kann mir
gerade so ein Leben vorstellen und du musst eins nach dem anderen
erleben. Das kann schon ermüdend sein. Ich glaube jeder braucht da
mal eine Pause. Da geht es mir manchmal genauso.“
Er nahm sich
einen neuen Stift und fügte dem Bild ein paar neue Linien hinzu.
Peter konnte noch nichts erkennen.
„Du hast
natürlich eine Wahl.“
Der
sechzehnjährige Jugendliche dreht den Stift in der Hand und
beobachtete das unfertige Bild.
„Wenn du nicht
mehr weiter leben willst dann kannst du auch aufhören. Niemand kann
und niemand will dich dazu zwingen.“
Peter schaute
nach oben und sah nichts bis auf den blauen Himmel. Wenn er die
Umgebung ausblendete konnte er sich eine Ahnung davon verschaffen,
was es heißt klein zu sein.
„Es sollte
Sinn machen.“
Sagte Peter. Er
hatte eine Weile gebraucht um heraus zu finden was er eigentlich
wollte, doch das brachte es ziemlich gut auf den Punkt.
„Natürlich
sollte es das. Und das macht es auch.“
Der junge Mann
auf der Bank suchte sich einen neuen Stift und fing an größere
Flächen auszumalen.
„Es geht um
die Erinnerungen. Einer muss sie bewahren. Und dieser eine muss dabei
sein und es auch bleiben. Das ist leider Teil der Aufgabe. Der Mensch
hat ein ziemlich großes Talent los zu lassen. Da bleibt einfach
nicht viel übrig wenn er weiter gegangen ist. Dabei gibt es so viel
was sich lohnt zu erinnern.“
Der Mann
schüttelte den Kopf und widmete sich wieder der Zeichnung.
Die Wäsche die
der junge Mann aufgehangen hatte, war längst getrocknet und von der
Erde verschlungen worden. Nur ein paar Stoffreste zwischen den
Grasnarben erinnerten daran.
Peter nahm sich
einen Schluck von dem kalten Getränk und fand es ein wenig süß.
„Warum ich?“
Wollte Peter
wissen und schaute auf den Mann der sich den Schweiß von der Stirn
wischte.
„Eine gute
Frage. Eine Antwort kann ich dir leider nicht geben. Möglich, dass
es mal einen Grund gab. Es kann auch von jeher reiner Zufall sein
oder eine höhere Macht ist dafür verantwortlich. Ich kann es dir
wirklich nicht sagen. Was ich weiß. Es ist eben so.“
Nicht unbedingt
die Antwort die Peter hören wollte. Trotzdem besser als kein Antwort
und damit auf der guten Seite. Peter atmete noch ein mal tief durch
und streckte sich.
„Es geht bald
wieder los, oder?“
Fragte er den
alten Mann.
„Ja es geht
bald wieder los.“
Sagte der Alte
und machte einen letzten Strich auf sein Bild. Peter wusste immer
noch nicht was es zeigte, fand es aber irgendwie schön.
Ohne, dass er es
mitbekommen hatte, war die Sonne hinter dem Haus verschwunden und der
Schatten lag jetzt über dem ganzen Hof. Peter schloss seine Augen.
Durch die Augenlieder hindurch konnte er das helle künstliche Licht
sehen und merkte wie es ihn blendete. Ihm war kalt und er hatte das
Bedürfnis laut zu schreien.