Montag, 27. Mai 2013

Der Tod und der Amokläufer



Pete saß in dem Diner und schaute auf die Straße. Er mochte die Momente wenn er hier war, wenn die Zeit ganz normal an ihm vorbei ging und er wieder die Luft dieser Welt atmen konnte, die er in den letzten drei Jahren nur selten besuchen durfte.

Drei Jahre war es nun her, als er gestorben war und die Stelle beim Schicksal, der Existenz und allem anderen angenommen hatte. Drei Jahre in denen er seine Ausbildung zum Sensenmann machte und sich etwas Neues aufbaute. Er hatte Freunde gefunden, ein schöne Wohnung und mit Sarah lief es auch nicht schlecht. Drei Jahre in denen sich wirklich etwas getan hatte und trotzdem. Es fühlte sich nicht wirklich an. Weil es ja nicht wirklich war. Also nicht das Wirklich was er vorher kannte und was seine früheren Freunde und seine Familie jetzt noch kannten. In diesem wirklich war er vor drei Tagen bei einem Unfall gestorben und würde morgen beerdigt werden.

Er rührte in seinem Kaffee und malte sich aus, wie seine Beerdigung aussehen würde. Vor allem, wer alles kommen würde und welche Songs sie spielten. Traurig sollte es sein und trotzdem cool. Eine Mischung aus vermissen und erinnern. Wo man schon mal lacht und sich die Geschichten von damals erzählt. Das wäre toll.
Er selber konnte nicht dabei sein. Er konnte zwar auf der Welt umherwandern, aber nur um seine Aufträge zu erfüllen und immer nur dort, wo ihm keiner von früher begegnen konnte. Man könnte ihn ja erkennen und dann hieße das eine Menge Schreibkram und Erklärungen an die Vorgesetzten und noch mehr Schreibkram. Das konnte er sich sparen und er wusste ja, wann er die anderen wieder sehen würde. Das gehörte zu seinen Talenten. Das und Geduld, denn die brauchte man in dem Job auch. Zu wissen wann einer geholt werden würde, reichte nicht, man musste sich die Zeit lassen bis es denn so weit war. So wie heute.

Gunther, ein Student an der Uni ein paar Straßen weiter. Ein ruhiger Typ mit ruhigen Hobbies und einem ruhigen Leben, würde in knapp 5 Minuten hier herein kommen und zehn Leute erschießen. Dann würde er die Waffe gegen sich selber richten und das war der Moment wo er ins Spiel kam. Gunther wusste nämlich noch nicht, dass er das hier nicht überleben würde. Sein Plan sah vor, sich zu stellen und dann über die Tat zu reden und seine Motive und so weiter. Das würde jedoch zu Konsequenzen führen die jemand wichtiges nicht wollte und damit verhindert werden mussten.

Natürlich war das kein normaler Job für den Tod. Eigentlich mischte man sich nicht in die Entscheidungen der Lebenden ein, das war eine andere Abteilung. Doch hier konnte man kein Risiko eingehen und musste klar machen, dass Gunther in den nächsten 20 Minuten aus der Welt ging.

Amokläufer sind pünktlich, das lag in ihrer Natur, denn sie hatten ja weder einen Grund zu trödeln noch etwas anderes vor. Da konnte man sich drauf verlassen.
Pete schaute auf die Uhr, als die Tür aufging, Gunther reinstürmte und ohne zu zögern jeden tötete der in dem Diner war. Jeden bis auf Pete natürlich, der war ja schon tot und wurde erst mal nicht zur Kenntnis genommen.
Nachdem Gunther das Gröbste erledigt hatte, holte er sich den Schlüssel, verschloss die Tür und setzte sich auf einen freien Platz. Er wollte jetzt ruhig warten bis sie ihn holten und dann der Welt seine Botschaft übermitteln. Die Waffen legte er neben sich auf den Boden, damit er nicht gleich über den Haufen geschossen wurde.

Pete hatte das Ganze von seinem Platz beobachtet und fand es war Zeit seinen Job zu machen.

„Na du.“
Pete war noch nie gut wenn es darum ging ein Gespräch zu beginnen.

„Was willst du?“
Gunther wollte sich eigentlich wundern woher der Typ jetzt auftauchte, kam aber irgendwie nicht dazu.

„Ich will meinen Job machen und das bedeutet, dass du jetzt die Waffe dort nimmst und es zu Ende bringst wie es sich gehört.“

„Nö, ich will nicht.“

„Doch mach das jetzt, das muss so sein.“

„Nein, ich habe einen Plan und an den muss ich mich halten.“

„Doch, mach jetzt.“

„Nö ich will nich.“

„Du musst aber.“

„Wer gast das.“

„Das ist so vorbestimmt. Also los, die Knarre nehmen und ab geht’s.“

„Nö.“

„Doch.

„Nein man.“

„Doch, du machst das jetzt.“

„Neien.“

Pete war eigentlich komplett schlecht wenn es darum ging ein Gespräch zu führen.

„Also gut, ich erkläre es dir. Wenn du jetzt deinen Plan durchziehst und weiter lebst wirst du ganz viele Leute dazu animieren den gleichen Mist zu machen und dann kommt die Waffenlobby wieder an und macht was sie will und in ein paar Jahren rennt hier jeder Trottel mit einer Knarre durch die Gegend und ist der Meinung jeden anderen Trottel mit einer Knarre abknallen zu können der nur blöd guckt. Und das ist nicht cool. Also bitte mach das jetzt fertig hier, dann geht alles seinen Weg und wir sind zum Mittag mit allem durch.“

„Mit allem durch? Womit denn durch?“
Gunther war dann doch ein wenig verwirrt.

„Na mit dem ganzen Papierkram und so. Das dauert aber auch nicht so lange und du kannst weiter gehen ins Jenseits.“

„Und wenn ich da gar nicht hin will.“

„Wie nicht hin wollen. Jeder geht da hin, das ist nur eine Frage von wann und wie.“

„Ja klar, aber das Wann und Wie kann ich ja noch selber bestimmen.“
Touchè dachte Pete und musste sich eine neue Strategie überlegen.

„Wir haben Kekse im Jenseits, ganz leckere.“

„Bitte was?“

Ja das war jetzt nicht so der Bringer, das merkte Pete auch.

„Du kommst hier her, aus dem Jenseits oder so und willst mich dazu bringen mich zu töten, damit die Zukunft so läuft wie du es für richtig hältst und kommst mir mit Keksen. Spinnst du. So geht das doch nicht. Das ist hier doch kein Kinderspiel. Ich habe gerade zehn Menschen getötet und gleich noch erfahren, dass es eine höhere Macht gibt. Du kannst doch nicht ernsthaft glauben, mich mit Keksen dazu zu bringen mir eine Kugel durch den Kopf zu jagen.“

„Bla bla bla, was willst du denn hören. Willst du was über die Unendlichkeit der Seele, die Welt danach oder den Sinn des Lebens hören? Willst du mit mir hier über die Existenz philosophieren und herausfinden warum wir hier sind? Da hab ich keine Zeit für. Ich bin hier um dafür zu sorgen, dass du stirbst. Denn so soll es eben sein. Und da ich von der Abteilung Tod komme und nicht von der Zeit, muss ich auch auf die Uhr gucken und kann hier nicht rumtrödeln. Also nimm jetzt die blöde Knarre und drück ab.“

Pete guckte so überzeugend wie er konnte und starrte Gunther an. Der starrte zurück und dann starrten beide aus dem Fenster weil sich dort schon eine Großaufgebot der Polizei befand und auch nicht wusste was sie tun sollten und das hieß dann eigentlich, dass sie den Laden bald stürmen würden.

„Können sie dich sehen?“
Wollte Gunther wissen.

„Nicht wirklich, nur wenn ich es will können sie mich sehen oder hören.“
Und Pete war dankbar für diese Frage.

„Na gut Gunther, dann solltest du dich jetzt ergeben bevor hier rein kommen. Wenn du es so willst, kann ich wohl nix dagegen machen.“

Gunther stand langsam auf und hob die Hände um zu zeigen, dass er nicht bewaffnet war.

„Lebend kriegt ihr mich nicht Ihr Schwanzlutscher.“

Gunther konnte Pete nur noch angucken, wie einer eben guckt der hereingelegt wurde und dann war der Auftrag auch schon erledigt.

Sie sind sich dann noch mal im Flur begegnet wo Gunther dann seinen Papierkram erledigen musste. Gunther hatte aber nicht die beste Laune, denn er saß schon eine ganze Weile hier und zehn Leute waren noch vor ihm dran und das würde noch ewig dauern.

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