Laufen fetzt, Laufen macht Spaß und beim Laufen sollte
man sich nicht fragen warum man das macht. Wo ich am Anfang an der 2 km Marke
gescheitert bin, kann ich nun gut 10 km mehr als meine Bestleistung angeben und
da wird es schon mal Zeit, sich selber zu fragen warum man sich einmal die
Woche in die Funktionskleidung stopft und durch die Gegend rennt.
Zuerst ist es natürlich der Körper. Den hat ja jeder und
den trägt man auch immer mit sich rum und da will man auch gucken, dass dieses
ja schon lebensnotwendige Accessoire hübsch aussieht oder in meinem Fall, den
Verfall ein wenig vertuschen. Als eitel würde ich mich deswegen noch nicht
bezeichnen nur will ich eben ein wenig von dem wieder gerade biegen, was Natur
und Lebensumstände an Gestaltungsideen in den letzten Jahren an mir umgesetzt haben. Schon das Rohmaterial, lässt
da zu wünschen übrig und ich habe da folgenden Dialog im Kopf:
Zwei Arbeiter im Lager, müssen kurz vor Feierabend noch
eine Bestellung fertig.
Transport: Du ich hab da noch eine Bestellung, die müssen
wir noch fertig machen. Warte (er holt ein Klemmbrett aus seinem Transporter).
Hier ist es. Männlich und groß.
Lager: Zeig mal, männlich und groß, das ist ja mal präzise.
Na gut, wenn die da oben kein Bock haben, verzichte ich auch. Die bekommen
ihren groß und männlich. Da krieg ich das alte Zeug wenigstens mal aus den
Regalen.
Transport: Na gut, dann hol mal raus was du hast.
Lager: Also hier schon mal Arme und Beine. Die liegen
schon eine Weile, war wohl eine Fehlbestellung oder so. Lang und dünn, extra
schlaksig.
Transport: Na klasse, das sind die, die nirgends rein
passen und auch sonst nix taugen, also Sport macht der damit nicht und das
linke Knie hat doch schon einen weg, das sehe ich von hier.
Lager: Kann sein, aber hey, die wollen groß und männlich
und ich hab jetzt eben nur das. Weiter mit dem Torso. Hier der, nicht viel
drauf, das passt ja fast zu dem Rest, nur in der Mitte um den Bauchnabel beult
der ganz schön aus.
Transport: Ach was soll`s, vielleicht kommt das ja noch in
Mode.
Lager: Hier die Haare, sind auch nicht mehr die Neusten.
Transport: Sind aber nicht mehr viele und die Farbe geht
ja auch schon raus.
Lager: Mir egal, dann braucht er keinen Kamm.
Transport: Was fehlt jetzt noch?
Lager: Der Kopf, hier hab ich auch einen.
Transport: Das ist ein Kopf, das sieht aus wie eine Nase
mit was dran.
Lager: Ja da haben sie ein wenig übertrieben. Hat wohl
einer der Lehrlinge gemacht. Dafür packe ich einen extra großen Penis mit rein.
Transport: Ja stimmt der ist echt groß.
So oder so ähnlich, stelle ich mir das vor und was die
Logistik versaut muss man eben später ausbaden und da ist das mit dem Laufen
nicht schlecht.
Man läuft ja auch nicht alleine und immer wieder laufen
einem Menschen über den Weg, die genauso schwitzen und seltsam atmen wie man
selbst. Da trifft man schon mal Abigail Breslin oder einen sehr jungen Krist Novoselic.
Viele Leute grüßen auch und wenn einen ab und zu mal ein Mädel verschwitzt
anlächelt sorgt das schon für gute Laune.
Was man beim Laufen auch noch machen kann, ist Musik hören.
Ich würde sogar sagen, man kann dazu nichts anderes machen und schon gar nicht
keine Musik hören. Nur sollte man genau wissen was man sich da in die Ohren
tut, wenn man wieder die eigenen Grenzen abschreitet. Ich bin da ja der Typ,
der den aktuellen Lieblingssong immer wieder von vorne mit sich laufen lässt um
damit einfach die Strecke auszublenden. Ab und zu geht auch mal die
Zufallswiedergabe, die einen aber auch gerne in den Rücken fällt. Gerade eben
noch Editors mit einem treibenden „Bird of Prey“ bis in die Zehenspitzen
gespürt kommt als nächstes eine doch recht sanfte Nummer von Moby die einem zum
rumliegen und in den Himmel gucken überreden will. Das ist Gift für die Motivation
und gerade beim Wettbewerb gegen andere Turnschuhträger fingert man schon mal
panisch am Player um die akustische Bremse hinter sich zu lassen.
Was man beim Laufen so gar nicht machen kann, ist lesen.
Man kann aber über das Laufen lesen und damit holt man sich nicht nur neue
Ideen sondern auch Vorbilder in den Kopf. Haruki Murakami ist nicht nur ein
japanischer Autor sondern auch noch Marathonläufer und schildert das in einem
seiner Werke auch recht anschaulich. Haruki, ja wir duzen uns weil ich schon so
viel von ihm gelesen habe und ihn da ja ganz gut kenne und auch wenn das mit
dem du noch einseitig ist, ist es doch umso ehrlicher. Also der Haruki ist was
um die 50, das sind ungefähr tausend Menschenjahre (das sind ja alles Drachen
da drüben) und läuft immer noch mit Begeisterung 10 km jeden Morgen und einen
Marathon im Jahr. Da guckt man selber schon ein wenig blöd, nimmt sich aber
trotzdem vor, das auch mal so zu machen und wenn man einen Plan hat, kommt man
wenigstens nicht auf blöde Ideen.
Als Steigerung, hab ich mir jetzt auch noch vorgenommen,
mein Rumgerenne mit Sit Ups zu ergänzen und bin da auch ganz zufrieden mit mir.
Gerade heute hab ich mir nach dem Laufen noch 50 davon befohlen. Ich hab dann
25 gemacht mir aber nichts gesagt und damit kann ich ganz gut leben.
Wenn jetzt einer fragt, ob ich denn besser aussehe oder
fitter geworden bin kann ich das natürlich nicht wirklich ehrlich beantworten,
weil ich mich ja ständig sehe und meine Veränderungen nur schleichend
mitbekomme. Ich kann nur sagen, dass es um den Bauchnabel nicht mehr ganz so
ausgebeult ist. Und zur Fitness. Naja ich kann jetzt weiter laufen.
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