Sonntag, 8. September 2013

Laufen 2



Laufen fetzt, Laufen macht Spaß und beim Laufen sollte man sich nicht fragen warum man das macht. Wo ich am Anfang an der 2 km Marke gescheitert bin, kann ich nun gut 10 km mehr als meine Bestleistung angeben und da wird es schon mal Zeit, sich selber zu fragen warum man sich einmal die Woche in die Funktionskleidung stopft und durch die Gegend rennt.
Zuerst ist es natürlich der Körper. Den hat ja jeder und den trägt man auch immer mit sich rum und da will man auch gucken, dass dieses ja schon lebensnotwendige Accessoire hübsch aussieht oder in meinem Fall, den Verfall ein wenig vertuschen. Als eitel würde ich mich deswegen noch nicht bezeichnen nur will ich eben ein wenig von dem wieder gerade biegen, was Natur und Lebensumstände an Gestaltungsideen in den letzten Jahren an mir  umgesetzt haben. Schon das Rohmaterial, lässt da zu wünschen übrig und ich habe da folgenden Dialog im Kopf:

Zwei Arbeiter im Lager, müssen kurz vor Feierabend noch eine Bestellung fertig.

Transport: Du ich hab da noch eine Bestellung, die müssen wir noch fertig machen. Warte (er holt ein Klemmbrett aus seinem Transporter). Hier ist es. Männlich und groß.

Lager: Zeig mal, männlich und groß, das ist ja mal präzise. Na gut, wenn die da oben kein Bock haben, verzichte ich auch. Die bekommen ihren groß und männlich. Da krieg ich das alte Zeug wenigstens mal aus den Regalen.

Transport: Na gut, dann hol mal raus was du hast.

Lager: Also hier schon mal Arme und Beine. Die liegen schon eine Weile, war wohl eine Fehlbestellung oder so. Lang und dünn, extra schlaksig.

Transport: Na klasse, das sind die, die nirgends rein passen und auch sonst nix taugen, also Sport macht der damit nicht und das linke Knie hat doch schon einen weg, das sehe ich von hier.

Lager: Kann sein, aber hey, die wollen groß und männlich und ich hab jetzt eben nur das. Weiter mit dem Torso. Hier der, nicht viel drauf, das passt ja fast zu dem Rest, nur in der Mitte um den Bauchnabel beult der ganz schön aus.

Transport: Ach was soll`s, vielleicht kommt das ja noch in Mode.

Lager: Hier die Haare, sind auch nicht mehr die Neusten.

Transport: Sind aber nicht mehr viele und die Farbe geht ja auch schon raus.

Lager: Mir egal, dann braucht er keinen Kamm.

Transport: Was fehlt jetzt noch?

Lager: Der Kopf, hier hab ich auch einen.

Transport: Das ist ein Kopf, das sieht aus wie eine Nase mit was dran.

Lager: Ja da haben sie ein wenig übertrieben. Hat wohl einer der Lehrlinge gemacht. Dafür packe ich einen extra großen Penis mit rein.

Transport: Ja stimmt der ist echt groß.

So oder so ähnlich, stelle ich mir das vor und was die Logistik versaut muss man eben später ausbaden und da ist das mit dem Laufen nicht schlecht.
Man läuft ja auch nicht alleine und immer wieder laufen einem Menschen über den Weg, die genauso schwitzen und seltsam atmen wie man selbst. Da trifft man schon mal Abigail Breslin oder einen sehr jungen Krist Novoselic. Viele Leute grüßen auch und wenn einen ab und zu mal ein Mädel verschwitzt anlächelt sorgt das schon für gute Laune.
Was man beim Laufen auch noch machen kann, ist Musik hören. Ich würde sogar sagen, man kann dazu nichts anderes machen und schon gar nicht keine Musik hören. Nur sollte man genau wissen was man sich da in die Ohren tut, wenn man wieder die eigenen Grenzen abschreitet. Ich bin da ja der Typ, der den aktuellen Lieblingssong immer wieder von vorne mit sich laufen lässt um damit einfach die Strecke auszublenden. Ab und zu geht auch mal die Zufallswiedergabe, die einen aber auch gerne in den Rücken fällt. Gerade eben noch Editors mit einem treibenden „Bird of Prey“ bis in die Zehenspitzen gespürt kommt als nächstes eine doch recht sanfte Nummer von Moby die einem zum rumliegen und in den Himmel gucken überreden will. Das ist Gift für die Motivation und gerade beim Wettbewerb gegen andere Turnschuhträger fingert man schon mal panisch am Player um die akustische Bremse hinter sich zu lassen.
Was man beim Laufen so gar nicht machen kann, ist lesen. Man kann aber über das Laufen lesen und damit holt man sich nicht nur neue Ideen sondern auch Vorbilder in den Kopf. Haruki Murakami ist nicht nur ein japanischer Autor sondern auch noch Marathonläufer und schildert das in einem seiner Werke auch recht anschaulich. Haruki, ja wir duzen uns weil ich schon so viel von ihm gelesen habe und ihn da ja ganz gut kenne und auch wenn das mit dem du noch einseitig ist, ist es doch umso ehrlicher. Also der Haruki ist was um die 50, das sind ungefähr tausend Menschenjahre (das sind ja alles Drachen da drüben) und läuft immer noch mit Begeisterung 10 km jeden Morgen und einen Marathon im Jahr. Da guckt man selber schon ein wenig blöd, nimmt sich aber trotzdem vor, das auch mal so zu machen und wenn man einen Plan hat, kommt man wenigstens nicht auf blöde Ideen.
Als Steigerung, hab ich mir jetzt auch noch vorgenommen, mein Rumgerenne mit Sit Ups zu ergänzen und bin da auch ganz zufrieden mit mir. Gerade heute hab ich mir nach dem Laufen noch 50 davon befohlen. Ich hab dann 25 gemacht mir aber nichts gesagt und damit kann ich ganz gut leben.
Wenn jetzt einer fragt, ob ich denn besser aussehe oder fitter geworden bin kann ich das natürlich nicht wirklich ehrlich beantworten, weil ich mich ja ständig sehe und meine Veränderungen nur schleichend mitbekomme. Ich kann nur sagen, dass es um den Bauchnabel nicht mehr ganz so ausgebeult ist. Und zur Fitness. Naja ich kann jetzt weiter laufen.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen