Montag, 31. März 2014

Peter

Der nächste Tag fühlte sich ein wenig nüchterner an, brachte jedoch nicht die Zweifel, die eine Situation wie gestern Abend hätte nach sich ziehen können. Peter fand sich damit ab, irgendwie mit sich gesprochen zu haben, war sich aber auch bewusst, die Antworten nur aus sich heraus geholt zu haben und nicht mit einem anderen Ich zu kommunizieren. Es fühlte sich einfach nur seltsam an. Wie wenn man beim masturbieren an seine Cousine denkt. Das geht schon mal in Ordnung, wenn es nicht zur Gewohnheit wird. Wenn es doch zu Gewohnheit wird, dann sollte man mit jemandem damit reden, der einem sagt wie seltsam das ist und wenn man ihm erzählt wie viel besser das doch ist, dann hat man wirklich ein Problem.
Peter hatte nicht das Gefühl etwas gut zu finden, was sich nicht gehörte gut zu finden. Damit konnte er ganz gut leben und sich mit einem ganz anderen Gedanken den Kopf zerbrechen. Damit im Büro kein Chaos ausbricht waren alle dabei ihren Sommerurlaub zu planen. Peter der noch nie einen Sommerurlaub hatte, seit er 14 war, fühlte sich davon leicht überfordert.
Sommerurlaub war für ihn damals, eine zweiwöchige Unterbrechung der Sommerferien, die durch eine gleichermaßen unnötigen wie unangenehme Reise gekennzeichnet war. Er kam ganz gut damit klar, sich vor dem Fernseher ein Lager zu errichten, das er nur zum Schlafen, Essen und den Gang zur Toilette verließ. Seine Eltern waren jedoch der Meinung ihm die langweiligsten Plätze der Welt zu zeigen und ihn dabei in die peinlichsten Kleidungstücke der Welt zu zwingen. Da stand er dann immer in Shorts die viel zu viele Farben hatten, vor Gebäuden die viel zu viel Geschichte hatten und fragte sich warum seine Eltern ihn nicht leiden konnten. Je älter er wurde, desto klarer wurde ihm, dass er auf Lang oder kurz nichts mehr mit ihnen zu tun haben wollte, doch so sehr wie in diesen Sommerurlauben wollte er das selten.
Jetzt, wo das alles hinter ihm lag, sollte er selber einen dieser Sommerurlaube planen und das mit der Couch wollte irgendwie gar nicht in Frage kommen. So sehr er sich das auch wünschen wollte, er hatte einfach keine Lust auf nichts tun und überlegte ob er nicht mit Paul die Stadt oder die Umgebung erkunden wollte. Natürlich ohne ihn schlimme Klamotten aufzudrängen oder ihn mit regionaler Geschichte zu langweilen. Er wollte spannende zwei Wochen haben, die irgendwie auch Abenteuer sein sollten. Eine Wandertour kam ihm in den Sinn und wurde auch gleich wieder da raus geholt. Er wollte Paul erst mal fragen, ob ihm das überhaupt passen würde. Fremde Zeit zu verplanen war ein Schritt in die falsche Richtung. Es war ein Schritt in Richtung seiner Eltern und diesen Weg wollte er nun wirklich nicht gehen.

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