Der Blumenladen lag auf dem Weg zum Waschsalon
den Peter alle zwei Wochen benutzte. Er war ein wenig anders als die
anderen Blumenläden, die es hier gab. Er hatte keine Sammlung an
bunten Schnittblumen die man sich für viel Geld zu einem noch
bunteren Haufen binden lassen konnte und dann Leute weiter gab die
sie verdient haben. Vor dem Laden waren auf dem Fußweg kleine Beete
angelegt die eher wie zufällig wirkten und einem ein Gefühl von
Wiese beibrachten. Der Laden hatte auch am Sonntag auf und der
Besitzer wirkte wie immer sehr beschäftigt, obwohl man nicht gleich
erkennen konnte, was er gerade machte. Er kam immer wieder aus dem
Laden, stellte etwas ab oder um und ging wieder hinein. Das
wiederholte sich wie eine Endlosschleife ohne eine ersichtliche
Veränderung. Peter beobachtete das eine Weile vom Waschsalon
gegenüber. Zehn Minuten brauchte die Maschine noch bis er seine
saubere Kleidung wieder nach Hause tragen konnte. Da ihm jetzt auch
langweilig war, ging er zu dem Laden rüber und wollte sich damit
anfreunden, ein wenig mehr Flora in seiner Wohnung unterzubringen.
In dem Laden, sah es auch nicht viel anders aus
als draußen und irgendwie, wirkte hier nichts als sollte es verkauft
werden. Es wirkte einfach nur, als würde hier ein Garten wachsen,
der nicht mal besonders gut gepflegt. Zumindest nicht, wenn man es
gewohnt war, dass die Natur in Reihe und nach Farben sortiert im
Boden steckt.
„Schönen guten Tag, wie kann ich ihnen
helfen?“
Der grauhaarige Mann stand weiter hinten im
Laden zwischen dem Grün und war kam zu erkennen. Zum einen war das
Licht hier nicht besonders gut und zum anderen war er nicht besonders
groß. Er trat einige Schritte nach vorn auf Peter zu, damit er ihn
besser sehen konnte.
„Ich wollte nur mal sehen, ob ich meiner
Wohnung ein wenig Natur antun kann.“
Peter fand den Mann auf gleich nett und seltsam
zugleich.
„Heute gibt es leider nur Beratungen, da
Sonntag ist darf ich Ihnen leider nichts verkaufen. Wenn sie also
Fragen haben, welche Pflanze Ihrer Wohnung am besten tun würde, bin
ich gerne für sie da.“
Der Mann hielt seine Hände vor dem Körper
gefaltet und stand ein wenig nach vorne gebeugt, als würde er darauf
warten, dass Peter seine Dienste in Anspruch nahm.
„Ich weiß nicht genau. Es sollte eine treue
Pflanze sein die nicht viel braucht und auch mal eine Weile ohne mich
auskommt. Größe ist fast egal.“
Der Mann lachte nicht sehr laut, dafür sehr
herzlich und ging den Rest des Weges auf Peter zu.
„Na gut, ihre Ansprüche sind schon mal klar,
das gefällt mir. Die meisten die hier rein kommen, haben eher die
Vorstellung von lebendigem Schmuck und sind dann enttäuscht, dass
sie das hier nicht finden. Die wollen seltene Formen und Farben und
auf keinen Fall etwas was sie auch am nächsten Waldrand finden
können. Die wollen Blumen aus Indien, China und vom Amazonas, nur um
sich dann zu wundern, dass eine Pflanze aus dem Regenwald sich hier
nicht wohl fühlt. Wissen sie, mein Vater hatte diesen Laden
aufgebaut, vor knapp sechzig Jahren. Er hat jeden Tag hart gearbeitet
und sich jede Minute um den Laden und die Pflanzen gekümmert. Er hat
alles was sie hier sehen, selber gezüchtet und nicht eine Pflanze
ist von einem gekauften Samen. Sie könne sich gar nicht vorstellen
wie sehr ich das ganze gehasst habe. Zu Hause gab es immer was für
den Laden zu tun. Töpfe sauber machen, Samen trocknen oder Keimlinge
pflegen. Alles drehte sich um den Laden und ich wünschte mir nichts
mehr als meinen Vater und das ganze Grünzeug hinter mir zu lassen.
Als er starb, kam das sehr überraschend und meine Mutter bat mich,
für die Zeit bis sie jemanden für den Laden gefunden hat, die
Geschäfte zu übernehmen und mich um alles zu kümmern. Ich hatte
zwar nicht viel Lust dazu, wollte mich aber auch nicht geschlagen
geben. Ich redete mir ein, mein Vater würde mit meinem Versagen
rechnen und das wollte ich ihm nicht zugestehen. Also arbeitete ich
jede Tag so hart wie er und jeder der kam und sich für das Geschäft
interessierte konnte meinen Ansprüchen unmöglich genügen. Was
daraus geworden ist, könne sie sich ja denken. Und als ich meine
Mutter mal sagte, ich hätte den Laden nie übernehmen sollen, meinte
sie nur: Ja das hat dein Vater auch immer gesagt.“
Peter wurde von seinem eigenen Lachen wach und
fand seinen Traum sehr seltsam. Er überlegte sich eine Grünpflanze
für das Wohnzimmer zu kaufen, war sich aber darüber klar, dass er
sich am nächsten Morgen schon nicht mehr daran erinnern würde.
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