Montag, 12. Mai 2014

Peter

Der Blumenladen lag auf dem Weg zum Waschsalon den Peter alle zwei Wochen benutzte. Er war ein wenig anders als die anderen Blumenläden, die es hier gab. Er hatte keine Sammlung an bunten Schnittblumen die man sich für viel Geld zu einem noch bunteren Haufen binden lassen konnte und dann Leute weiter gab die sie verdient haben. Vor dem Laden waren auf dem Fußweg kleine Beete angelegt die eher wie zufällig wirkten und einem ein Gefühl von Wiese beibrachten. Der Laden hatte auch am Sonntag auf und der Besitzer wirkte wie immer sehr beschäftigt, obwohl man nicht gleich erkennen konnte, was er gerade machte. Er kam immer wieder aus dem Laden, stellte etwas ab oder um und ging wieder hinein. Das wiederholte sich wie eine Endlosschleife ohne eine ersichtliche Veränderung. Peter beobachtete das eine Weile vom Waschsalon gegenüber. Zehn Minuten brauchte die Maschine noch bis er seine saubere Kleidung wieder nach Hause tragen konnte. Da ihm jetzt auch langweilig war, ging er zu dem Laden rüber und wollte sich damit anfreunden, ein wenig mehr Flora in seiner Wohnung unterzubringen.
In dem Laden, sah es auch nicht viel anders aus als draußen und irgendwie, wirkte hier nichts als sollte es verkauft werden. Es wirkte einfach nur, als würde hier ein Garten wachsen, der nicht mal besonders gut gepflegt. Zumindest nicht, wenn man es gewohnt war, dass die Natur in Reihe und nach Farben sortiert im Boden steckt.

„Schönen guten Tag, wie kann ich ihnen helfen?“
Der grauhaarige Mann stand weiter hinten im Laden zwischen dem Grün und war kam zu erkennen. Zum einen war das Licht hier nicht besonders gut und zum anderen war er nicht besonders groß. Er trat einige Schritte nach vorn auf Peter zu, damit er ihn besser sehen konnte.

„Ich wollte nur mal sehen, ob ich meiner Wohnung ein wenig Natur antun kann.“
Peter fand den Mann auf gleich nett und seltsam zugleich.

„Heute gibt es leider nur Beratungen, da Sonntag ist darf ich Ihnen leider nichts verkaufen. Wenn sie also Fragen haben, welche Pflanze Ihrer Wohnung am besten tun würde, bin ich gerne für sie da.“
Der Mann hielt seine Hände vor dem Körper gefaltet und stand ein wenig nach vorne gebeugt, als würde er darauf warten, dass Peter seine Dienste in Anspruch nahm.

„Ich weiß nicht genau. Es sollte eine treue Pflanze sein die nicht viel braucht und auch mal eine Weile ohne mich auskommt. Größe ist fast egal.“
Der Mann lachte nicht sehr laut, dafür sehr herzlich und ging den Rest des Weges auf Peter zu.

„Na gut, ihre Ansprüche sind schon mal klar, das gefällt mir. Die meisten die hier rein kommen, haben eher die Vorstellung von lebendigem Schmuck und sind dann enttäuscht, dass sie das hier nicht finden. Die wollen seltene Formen und Farben und auf keinen Fall etwas was sie auch am nächsten Waldrand finden können. Die wollen Blumen aus Indien, China und vom Amazonas, nur um sich dann zu wundern, dass eine Pflanze aus dem Regenwald sich hier nicht wohl fühlt. Wissen sie, mein Vater hatte diesen Laden aufgebaut, vor knapp sechzig Jahren. Er hat jeden Tag hart gearbeitet und sich jede Minute um den Laden und die Pflanzen gekümmert. Er hat alles was sie hier sehen, selber gezüchtet und nicht eine Pflanze ist von einem gekauften Samen. Sie könne sich gar nicht vorstellen wie sehr ich das ganze gehasst habe. Zu Hause gab es immer was für den Laden zu tun. Töpfe sauber machen, Samen trocknen oder Keimlinge pflegen. Alles drehte sich um den Laden und ich wünschte mir nichts mehr als meinen Vater und das ganze Grünzeug hinter mir zu lassen. Als er starb, kam das sehr überraschend und meine Mutter bat mich, für die Zeit bis sie jemanden für den Laden gefunden hat, die Geschäfte zu übernehmen und mich um alles zu kümmern. Ich hatte zwar nicht viel Lust dazu, wollte mich aber auch nicht geschlagen geben. Ich redete mir ein, mein Vater würde mit meinem Versagen rechnen und das wollte ich ihm nicht zugestehen. Also arbeitete ich jede Tag so hart wie er und jeder der kam und sich für das Geschäft interessierte konnte meinen Ansprüchen unmöglich genügen. Was daraus geworden ist, könne sie sich ja denken. Und als ich meine Mutter mal sagte, ich hätte den Laden nie übernehmen sollen, meinte sie nur: Ja das hat dein Vater auch immer gesagt.“

Peter wurde von seinem eigenen Lachen wach und fand seinen Traum sehr seltsam. Er überlegte sich eine Grünpflanze für das Wohnzimmer zu kaufen, war sich aber darüber klar, dass er sich am nächsten Morgen schon nicht mehr daran erinnern würde.

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