Dienstag, 6. Oktober 2015

12 Stunden im Leben eines Arbeitslosen oder Freitag ohne Job ist ja auch nix

Es ist früh. Super. Dieser Früh der jeden Tag um die gleiche Zeit auf der Matte steht und an meiner Bettdecke zuppelt. „Aufstehen Prinzessin“ sagt er dann. Früh ist nicht der Hellste, in den letzten Tagen. Ich mach erst mal nicht mit gebe mich dann aber geschlagen und sage dem Tag hallo und geh ins Bad. Im Bad wartet dann ein Einhorn und spendiert mir eine Maniküre während Donald Trump tschechische Volksweisen singt. Das macht er sehr gut und wird zur Belohnung von fünf Jungfrauen mit Bananen verkloppt. Es kann auch sein, dass ich mir nur die Zähne putze. Wer weiß das schon.
Aus dem Bad wieder raus sagt mein Terminkalender irgendwas von halb neun und ich sehe da noch eine große Lücke, die es zu füllen gilt. Das mach ich auch mit einem Unschuldigen Spaziergang zum Netto wo ich mir ganz zufällig ein paar von den Angebosdonuts kaufe. Diesmal auch Vanille, die mit Pudding drinnen. Das war auf mittellange Sicht natürlich eine kluge Entscheidung. Ich hab den Tag immer was zu naschen im Schrank. Auf kurze Sicht war es eher blöd weil ich heute zum Doktor muss und da soll ich vorher nichts essen. Und auf langlange Sicht ist es auch eher doof, weil die Teile einfach nur aus Zucker und eventuell Pudding bestehen ich daran sterbe. Egal, ich schleppe die Dinger nach hause wie ein Mann und gehe dann zum Arzt.
Zum Onkel Doktor muss ich hin weil die Krankenkasse alle zwei Jahre ein Untersuchung bezahlt, die sagt wie lange ich noch zu leben hätte. Das nennt sich dann Gesundheitscheck und macht man mit Pipi, Blut und EKG. Ich sag es gleich, bei keinem hab ich geweint. Zuerst das Pipi. Das hab ich in einem Becher abgegeben und da wird ein Stäbchen reingetunkt, dass dann einer kleinen Maschine zu essen gegeben wird. Die sagt dann wie es schmeckt und ob ich krank bin. Die Maschine findet es wohl lecker und hat nichts zu meckern.
Das Blut sieht da schon anders aus. Mit einer Nadel im Arm die gefühlt so groß ist wie zwei Nadeln, werden mir ungefähr fünfzehn Deziliter von meinem roten Lebenssaft abgezogen und in einen Beutel gepackt. Die Maschine die das jetzt trinkt, wohnt wohl nicht hier und schreibt dann einen Brief wie es geschmeckt hat. Ich weiß aber schon was kommt. Diagnose zu wenig Blut im Körper.
Beim EKG muss ich oben ohne auf einer Liege liegen und bekomme ein Ding auf die Brust mit Kabeln und so naja man kennt das ja.
Dann darf ich nach hause und geh erst mal Trickfilme gucken. Irgendwas mit einem Rennauto und dann heißt da eine Dreckspatz und ein Schwein kommt auch noch dran. Dazwischen hopst immer ein blaues Kaninchen rum und Kinder und zwei Erwachsene. Ich trau dem Vieh nicht. Elmo muss da auch mit tanzen und ich glaube das macht er gegen seinen Willen. Der wohnt ja eigentlich in der Sesamstraße und von da geht man nicht einfach weg.
Irgendwann fällt mir ein, dass Freitag ist und ich eigentlich nichts davon habe. Freitag ist für mich im Moment als würde man einem Känguru ein Bündel Geldschein geben. Klar packt es das in seinen Beutel, aber es hätte auch ein Bündel Papierschnipsel sein können, das macht für das Känguru keinen Unterschied, es wird sich ja doch nichts davon kaufen. Ich werde heute auch nicht anders leben als gestern oder vorgestern oder den Tag vor vorgestern. Ich werde ins Bett gehen und nicht wirklich daran denken müssen, dass ich morgen ausschlafen kann.
Ich denke kurz darüber nach und bin der Meinung es müsste doch eine alternative zum Wochenende geben, für die die gar keine richtige Woche haben. Rentner, Arbeitslose und andere Rentner brauchen einfach einen Grund um sich auf die zwei Tage zwischen Montag und Freitag zu freuen. Mein Vorschlag wäre Samstag einfach mal einen Clown vorbei schicken, der die Leute unterhält und Kuchen mitbringt. Am Nachmittag kommt dann noch der Eismann und schon ist der Samstag gerettet. Den Sonntag könnte man ähnlich gestalten. Vormittags kommen Tiere vorbei. Therapiehunde oder Therapiekrokodile oder ein Pony. Das kann ja so schlecht nicht sein und gegen Abend kommt einer der was vorliest. Klar das klingt jetzt ein wenig utopisch, aber wenn ich einem Bauern im 17. Jahrhundert von der 40 Stunden Woche erzählt hätte, wären die Blicke wahrscheinlich ähnlich gewesen. Alternativ könnte ich auch eine neue Bewegung ins Leben rufen. LEGIDA. Das heißt dann Laufende Erwachsene Gegen Ines, Dennis und Anja. Das macht zwar auch keinen Sinn, aber man kommt mal raus. Bevor ich jedoch meine weltverändernden Pläne in die Tat umsetze genieße ich erst mal mein langes Wochenende und bleib Montag einfach mal im Bett bis Dienstag oder Mittwoch oder so.

Die Muh hab ich in Wolfen getroffen.

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