Sonntag, 17. Mai 2015

Das mit dem Wasser Kapitel 3

Der Anzug lag ziemlich eng an und brachten seine Muskeln zur Geltung. Er war weiß und hatte je einen blauen Streifen, die an den Seiten mittig von oben nach unten liefen. Die hatten keinen modischen Zweck, sie sorgten für eine schnelle Unterscheidung der Teammitglieder und deren jeweilige Funktion. Der Helm bestand zur Hälfte aus Glas und ermöglichte damit eine ungehinderte Sicht. De Stadt die unter ihm lag, kam schnell näher. Auf den ersten Blick, war der Umstand, dass sie sich unter Wasser befand nicht spurlos an den Gebäuden vorbei gegangen. Wie Ruinen wirkten die Hochhäuser und die Pflanzen, die sich überall ausbreiteten wo es eben ging, verstärkten den Eindruck noch. Auf den zweiten Blick, war es jedoch eine belebte und durchaus lebenswerte Stadt die eine Menge an Komfort zu bieten hatte. Es mochte wohl sein, dass das Wasser und die Tiefe hier einige Schäden angerichtet haben, doch wurde dem irgendwann entgegengewirkt und mit Erfolg ein völlig neuer Lebensraum erschlossen.
Er hatte eigentlich keine Ahnung, warum er sich auf diesem Weg näherte und warum er nicht langsamer wurde. Man könnte sich doch ruhig mal umschauen, wo es doch so viel zu entdecken gab. Schon die riesigen Glaskuppeln, die in die Gebäude eingelassen waren und als Fenster dienten, boten einen interessanten Blick auf die Bewohner und ihre Behausungen. Eine scharfe Rechtskurve und eine Anschließende Verfolgungsjagd durch die Häuserschluchten, ließen ihn aber erahnen, dass er hier ein Aufgabe zu erledigen hatte. Ein wildes Gewitter an Funksprüchen brachte ihn noch ein Stück näher an seine Situation.
Träume sind in ihrer Natur ja keine Geschichten die erzählt oder gar erklärt werden. Meistens landet man einfach dort wo es gerade spannend ist und darf sich um seine Orientierung kümmern. Da gibt es dann mehrere Möglichkeiten. Man begibt sich in das Geschehen und erlebt einfach. Der Traum wird als Traum erkannt und es gilt die Möglichkeiten zu nutzen oder der Traum macht einfach was er will. Dann bleibt es nur noch aufzuwachen und zu klären, was eigentlich nicht passiert ist.
Hier war es, wie auch schon bei seinem letzten Traum, so, dass er seinen Traum frei erleben konnte. Ihm war klar, nicht in der Realität zu sein und ihm war auch klar, wie er hier her kam. Dadurch wurde dem Erlebten jedoch nichts weiter genommen, viel mehr konnte er sich jetzt ganz bewusst darauf einlassen und es genießen.
Fünfzehn Minuten später, war er wieder zurück und ließ die Erinnerungen noch ein wenig vor seinem geistigen Auge verlaufen.

Den Abend verbracht er damit, noch mehr von dem Wasser zu sammeln und der Frage aus dem Weg zu gehen, wo das Ganze hinführen sollte. Zuerst wollte er einige Antworten klären, die einen eher angenehmen Weg für weitere Gedanken ebnen sollten.
Zum einen war das Wasser unnatürlicher Natur. Ob es eine höhere Macht oder einfach eine bis jetzt unentdeckte Angelegenheit war, bleibt abzuwarten. Doch Chemie und Gewächse jeglicher Art konnten ausgeschlossen werden und damit wurde auch die Frage ob es sich um eine Droge handeln könnte mit einem Nein beantwortet. Keine Droge bedeutet auch keine Sucht und damit keine Nebenwirkungen. Sicher ein verkürzte Form der Überlegungen, aber für uns durchaus ausreichend. Es geht ja nur darum den Charakter unseres Protagonisten mit der Situation gegenüber zu stellen und die Motivation nicht in niederen Gründen vermuten zu müssen. Es war ihm schon wichtig, sich nicht als Drogensüchtigen zu sehen.
Da diese Frage nun beruhigt wurde, konnte er weiter dem Eigentlichen widmen. Ein großes Warum stand im Raum und wollte beantwortet werden.
Die Natur der großen Warums ist leider, sich nicht so einfach beantworten u lassen. Da spielt es dann auch keine Rolle ob das Warum nach dem ich fragt oder ganz allgemein den Grund der Situation erfragt. Vermutungen sind die einzigen die sich zeigen und damit kann keiner zufrieden sein, muss es aber dann auch dabei belassen.

Kurz bevor er schlafen ging, fragte er sich noch ob das Ganze hier gut ausgehen wird und ob es überhaupt irgendwie ausgehen musste. Musste diese Erfahrung ein Ende haben?

Weihnachten war vorbei und vor dem Fenster war wieder ein wenig mehr Leben unterwegs. Jetzt ging es auf den Jahreswechsel zu und er wusste so richtig noch nichts damit anzufangen. Es gab Zeiten da war der erste Januar von einem Gefühl des Wechsels geprägt. Als hätte man das alte Jahr gewaschen und könnte es jetzt wieder von neuem einsauen. Mit der Zeit blieb das aber aus. Das neue Jahr war zwar sauber, nur strahlten die Farben nicht mehr so stark und den Weichspüler hatte man auch weg gelassen. Eventuell würde er sich etwas für das neue Jahr vornehmen. Einfach um ihm ein wenig Bedeutung zu verleihen.

In der Küche stand noch das Glas von gestern. Er ignorierte es erst mal und beschloss sich später damit zu beschäftigen. Jetzt hatte er ohnehin andere Gedanken die ihn beschäftigten. Der Besuch bei seiner Mutter stand an und darauf hatte er eigentlich keine Lust. Noch weniger Lust hatte er allerdings darauf, einem schlechten Gewissen im Spiegel zu begegnen. Im Zug fragte er sich, ob er sein Gewissen ausschalten würde wenn er es könnte. Und er überlegte, warum das Gewissen so abgetrennt genannt wurde. Sollte es nicht einfach dazu gehören? Wenn man zu jemandem sagt, du hast ein schlechtes Gewissen, dann hört sich das eher an wie eine Krankheit die auch wieder vorbei geht. Und warum ein schlechtes Gewissen? Das Gewissen macht seine Arbeit doch gut, wenn es uns zeigt, dass wir etwas falsch gemacht haben.
Manchmal war er schon froh, dass man seine Gedanken nicht hören konnte.

Der Tag bei seiner Mutter war eigentlich nie schlecht. Es gab etwas zu essen, Geschenke wurden getauscht und Weihnachtsfilme geguckt. Wie sehr er das eigentlich mochte, viel ihm immer erst dann auf, wenn er wieder im Zug nach hause saß. Weitere Gedanken die er sich dabei macht, werden sich jedoch nicht finden. Das geht uns nichts an und bringt auch unsere Geschichte nicht voran.
Er beschloss vom Bahnhof nach hause zu laufen. Das war ein gute Strecke, aber das Wetter war schön und er hatte es nicht eilig. Viel mehr wollte er die Zeit auch nutzen um sich Gedanken über das Wasser zu machen. Er fand es eine schöne Sache, sich mit seinen Träumen so intensiv auseinandersetzen zu können, doch machte es keinen Sinn. Und wenn es einen Sinn machen würde, wäre er wohl der falsche diesen zu erkennen. Sicher könnte es nicht schaden, sich einfach mit der Zeit und gesammelten Erfahrungen, mit diesem Thema zu befassen. Nur war ihm der Weg zur Beschaffung des Wassers auch zu aufwendig um sich noch viel länger damit beschäftigen zu wollen. Und müde war er außerdem. Er hatte heute einfach keine Lust mehr, sich noch weiter mit solch großen Dingen zu beschäftigen. Er würde nur noch nach hause kommen, sich auf die Couch legen, ein wenig die Zeit vorbei gucken und ins Bett gehen. Da könnte er noch ein wenig lesen und nach einer halben Stunde merken, wie er gar keine klaren Gedanken mehr aus den Worten holt und schlafen. Kurz bevor er die Augen schließt könnte er noch etwas von dem Wasser trinken und die Wirkung testen, die eintritt wenn man schon träumt. Augenblicklich war er wieder begeistert von dem Thema und dehnte seinen Spaziergang noch ein wenig aus, um die nötige Müdigkeit für sein Vorhaben zu sammeln.

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