Der Anzug lag ziemlich eng
an und brachten seine Muskeln zur Geltung. Er war weiß und hatte je
einen blauen Streifen, die an den Seiten mittig von oben nach unten
liefen. Die hatten keinen modischen Zweck, sie sorgten für eine
schnelle Unterscheidung der Teammitglieder und deren jeweilige
Funktion. Der Helm bestand zur Hälfte aus Glas und ermöglichte
damit eine ungehinderte Sicht. De Stadt die unter ihm lag, kam
schnell näher. Auf den ersten Blick, war der Umstand, dass sie sich
unter Wasser befand nicht spurlos an den Gebäuden vorbei gegangen.
Wie Ruinen wirkten die Hochhäuser und die Pflanzen, die sich überall
ausbreiteten wo es eben ging, verstärkten den Eindruck noch. Auf den
zweiten Blick, war es jedoch eine belebte und durchaus lebenswerte
Stadt die eine Menge an Komfort zu bieten hatte. Es mochte wohl sein,
dass das Wasser und die Tiefe hier einige Schäden angerichtet haben,
doch wurde dem irgendwann entgegengewirkt und mit Erfolg ein völlig
neuer Lebensraum erschlossen.
Er hatte eigentlich keine
Ahnung, warum er sich auf diesem Weg näherte und warum er nicht
langsamer wurde. Man könnte sich doch ruhig mal umschauen, wo es
doch so viel zu entdecken gab. Schon die riesigen Glaskuppeln, die in
die Gebäude eingelassen waren und als Fenster dienten, boten einen
interessanten Blick auf die Bewohner und ihre Behausungen. Eine
scharfe Rechtskurve und eine Anschließende Verfolgungsjagd durch die
Häuserschluchten, ließen ihn aber erahnen, dass er hier ein Aufgabe
zu erledigen hatte. Ein wildes Gewitter an Funksprüchen brachte ihn
noch ein Stück näher an seine Situation.
Träume sind in ihrer Natur
ja keine Geschichten die erzählt oder gar erklärt werden. Meistens
landet man einfach dort wo es gerade spannend ist und darf sich um
seine Orientierung kümmern. Da gibt es dann mehrere Möglichkeiten.
Man begibt sich in das Geschehen und erlebt einfach. Der Traum wird
als Traum erkannt und es gilt die Möglichkeiten zu nutzen oder der
Traum macht einfach was er will. Dann bleibt es nur noch aufzuwachen
und zu klären, was eigentlich nicht passiert ist.
Hier war es, wie auch schon
bei seinem letzten Traum, so, dass er seinen Traum frei erleben
konnte. Ihm war klar, nicht in der Realität zu sein und ihm war auch
klar, wie er hier her kam. Dadurch wurde dem Erlebten jedoch nichts
weiter genommen, viel mehr konnte er sich jetzt ganz bewusst darauf
einlassen und es genießen.
Fünfzehn Minuten später,
war er wieder zurück und ließ die Erinnerungen noch ein wenig vor
seinem geistigen Auge verlaufen.
Den Abend verbracht er
damit, noch mehr von dem Wasser zu sammeln und der Frage aus dem Weg
zu gehen, wo das Ganze hinführen sollte. Zuerst wollte er einige
Antworten klären, die einen eher angenehmen Weg für weitere
Gedanken ebnen sollten.
Zum einen war das Wasser
unnatürlicher Natur. Ob es eine höhere Macht oder einfach eine bis
jetzt unentdeckte Angelegenheit war, bleibt abzuwarten. Doch Chemie
und Gewächse jeglicher Art konnten ausgeschlossen werden und damit
wurde auch die Frage ob es sich um eine Droge handeln könnte mit
einem Nein beantwortet. Keine Droge bedeutet auch keine Sucht und
damit keine Nebenwirkungen. Sicher ein verkürzte Form der
Überlegungen, aber für uns durchaus ausreichend. Es geht ja nur
darum den Charakter unseres Protagonisten mit der Situation gegenüber
zu stellen und die Motivation nicht in niederen Gründen vermuten zu
müssen. Es war ihm schon wichtig, sich nicht als Drogensüchtigen zu
sehen.
Da diese Frage nun beruhigt
wurde, konnte er weiter dem Eigentlichen widmen. Ein großes Warum
stand im Raum und wollte beantwortet werden.
Die Natur der großen Warums
ist leider, sich nicht so einfach beantworten u lassen. Da spielt es
dann auch keine Rolle ob das Warum nach dem ich fragt oder ganz
allgemein den Grund der Situation erfragt. Vermutungen sind die
einzigen die sich zeigen und damit kann keiner zufrieden sein, muss
es aber dann auch dabei belassen.
Kurz bevor er schlafen ging,
fragte er sich noch ob das Ganze hier gut ausgehen wird und ob es
überhaupt irgendwie ausgehen musste. Musste diese Erfahrung ein Ende
haben?
Weihnachten war vorbei und
vor dem Fenster war wieder ein wenig mehr Leben unterwegs. Jetzt ging
es auf den Jahreswechsel zu und er wusste so richtig noch nichts
damit anzufangen. Es gab Zeiten da war der erste Januar von einem
Gefühl des Wechsels geprägt. Als hätte man das alte Jahr gewaschen
und könnte es jetzt wieder von neuem einsauen. Mit der Zeit blieb
das aber aus. Das neue Jahr war zwar sauber, nur strahlten die Farben
nicht mehr so stark und den Weichspüler hatte man auch weg gelassen.
Eventuell würde er sich etwas für das neue Jahr vornehmen. Einfach
um ihm ein wenig Bedeutung zu verleihen.
In der Küche stand noch das
Glas von gestern. Er ignorierte es erst mal und beschloss sich später
damit zu beschäftigen. Jetzt hatte er ohnehin andere Gedanken die
ihn beschäftigten. Der Besuch bei seiner Mutter stand an und darauf
hatte er eigentlich keine Lust. Noch weniger Lust hatte er allerdings
darauf, einem schlechten Gewissen im Spiegel zu begegnen. Im Zug
fragte er sich, ob er sein Gewissen ausschalten würde wenn er es
könnte. Und er überlegte, warum das Gewissen so abgetrennt genannt
wurde. Sollte es nicht einfach dazu gehören? Wenn man zu jemandem
sagt, du hast ein schlechtes Gewissen, dann hört sich das eher an
wie eine Krankheit die auch wieder vorbei geht. Und warum ein
schlechtes Gewissen? Das Gewissen macht seine Arbeit doch gut, wenn
es uns zeigt, dass wir etwas falsch gemacht haben.
Manchmal war er schon froh,
dass man seine Gedanken nicht hören konnte.
Der Tag bei seiner Mutter
war eigentlich nie schlecht. Es gab etwas zu essen, Geschenke wurden
getauscht und Weihnachtsfilme geguckt. Wie sehr er das eigentlich
mochte, viel ihm immer erst dann auf, wenn er wieder im Zug nach
hause saß. Weitere Gedanken die er sich dabei macht, werden sich
jedoch nicht finden. Das geht uns nichts an und bringt auch unsere
Geschichte nicht voran.
Er beschloss vom Bahnhof
nach hause zu laufen. Das war ein gute Strecke, aber das Wetter war
schön und er hatte es nicht eilig. Viel mehr wollte er die Zeit auch
nutzen um sich Gedanken über das Wasser zu machen. Er fand es eine
schöne Sache, sich mit seinen Träumen so intensiv auseinandersetzen
zu können, doch machte es keinen Sinn. Und wenn es einen Sinn machen
würde, wäre er wohl der falsche diesen zu erkennen. Sicher könnte
es nicht schaden, sich einfach mit der Zeit und gesammelten
Erfahrungen, mit diesem Thema zu befassen. Nur war ihm der Weg zur
Beschaffung des Wassers auch zu aufwendig um sich noch viel länger
damit beschäftigen zu wollen. Und müde war er außerdem. Er hatte
heute einfach keine Lust mehr, sich noch weiter mit solch großen
Dingen zu beschäftigen. Er würde nur noch nach hause kommen, sich
auf die Couch legen, ein wenig die Zeit vorbei gucken und ins Bett
gehen. Da könnte er noch ein wenig lesen und nach einer halben
Stunde merken, wie er gar keine klaren Gedanken mehr aus den Worten
holt und schlafen. Kurz bevor er die Augen schließt könnte er noch
etwas von dem Wasser trinken und die Wirkung testen, die eintritt
wenn man schon träumt. Augenblicklich war er wieder begeistert von
dem Thema und dehnte seinen Spaziergang noch ein wenig aus, um die
nötige Müdigkeit für sein Vorhaben zu sammeln.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen